Mit Schlemmen Leben retten

Toni und Arabella müssen nicht mehr frieren: Mit dem Erlös aus unserem veganen Brunch im vorigen Dezember konnten die zwei Hunde aus schlimmen Zuständen, die oftmals in polnischen Tierheimen herrschen, gerettet werden. Zeit, sich diese Zustände einmal näher anzusehen!

Veganer Brunch im Dresdner AZ Conni

Schlemmen gegen eine Spende beim veganen Soli-Brunch im Dresdner AZ Conni

Ein Brunch mit guten Folgen

Letzten Dezember bot sich uns die Gelegenheit, mit der Tierbefreiung Dresden einen veganen Soli-Brunch im Dresdner AZ Conni zu veranstalten. Die dabei gesammelten Spenden in Höhe von 200 € gingen an den Gnadenhof mit integriertem Tierheim Tierschutzliga-Dorf in Neuhausen/Spree, der diese Summe dankbar einzusetzen wusste:

Kurzerhand wurde mit dem Erlös die Aufnahme von zwei Notfällen aus einem polnischen Tierheim ermöglicht, die nun im Februar die Reise Richtung Tierschutzliga-Dorf antreten durften. Geplant war, die beiden Langzeitbewohner des dortigen Tierheims bereits vor dem Winter umzusetzen, jedoch fehlten die finanziellen Mittel.

Die Zustände in polnischen Tierheimen

Gründe, Hunde aus Polen aufzunehmen, können die Mitarbeiterinnen des Tierschutzliga-Dorfes aus jahrelanger Erfahrung viele nennen: Während die Tierheime in deutscher Grenznähe – vermutlich aus Image-Gründen – noch relativ vertretbare Standards aufweisen, trifft man in weiter zentral gelegenen Orten furchtbare Zustände an. Das ist besonders darauf zurückzuführen, dass polnischen Tierheime, anders als deutsche, keine regelmäßige finanzielle Unterstützung von Staat oder Gemeinden erhalten.

polnische Tierheime

Auch Arabella und Toni wurden viele Jahre in engen Außenzwingern ohne Dach gehalten.

Die meisten Tierheime bestehen ausschließlich aus Außenanlagen bzw. Zwingern, die größtenteils nicht überdacht sind. So sind die Tiere den Wetterbedingungen schutzlos ausgeliefert. Gerade im Winter häufen sich dadurch die Todesfälle.

Zudem sind die Heime maßlos überfüllt, sodass sich oftmals unverträgliche Hunde einen viel zu kleinen Raum teilen müssen. Hinzu kommt, dass Kastrationen trotz gesetzlicher Auflagen die Seltenheit sind und kaum kontrolliert werden, wodurch es zu Beißereien gerade zwischen Rüden kommt. Nicht selten werden Hunde von Artgenossen getötet oder so stark verletzt, dass sie nach Tagen sterben – eine tierärztliche Behandlung gibt es in polnischen Tierheimen meist nicht.

In polnischen Tierheimen ist der Zuwachs an Hunden enorm: Während in Deutschland in etwa ein Hund pro Woche aufgenommen wird, werden hier fünf Hunde pro Tag abgegeben. Dies hat einen einfachen Grund: Der Staat stellt nur für Fundhunde Finanzmittel bereit, bei der Abgabe durch den früheren Besitzer muss dieser hingegen selbst einen gewissen Betrag zahlen. Dieses System machen sich mafia-artige Banden zunutze. Sie züchten Hunde, teils in Kellern, extra zu dem Zweck, sie im Welpenalter als „Fundhund“ in Heimen abzugeben, um dadurch mit den Tierheimen viel Geld zu machen. Drei Viertel aller abgegeben Hunde sind daher Welpen.

polnische Tierheime

Kastenhaltung in Klembow

Lange Zeit arbeiteten außerdem in solchen Tierheimen auch nicht vordergründig tierliebe Menschen, die im Sinne des Tierschutzes handeln, mit den Tieren respektvoll umgehen oder auch nur Gassi gehen. Die Arbeit gegen einen Tagessatz wurde von der ehemaligen Landbevölkerung einfach als ein leichter Weg zu einem Einkommen genutzt. Erfreulicherweise ändert sich seit 2006 langsam dieses Bild: Gerade in den Städten engagieren sich immer mehr Ehrenamtliche, da auch in Polen aufgrund der medialen Berichterstattung langsam die furchtbaren Zustände in jeglichen Tierhaltungen bekannt werden und Tierschutz- und Tierrechtsgedanken Einzug halten.

Leider gibt es weiterhin viel zu viele Einrichtungen mit Kastenhaltungen von Hunden. Dabei werden die Tiere, ähnlich wie in der Käfighaltung von Hühnern, in viel zu kleine Holzboxen gepfercht, aus denen sie oft jahrelang nicht heraus dürfen. Das Ergebnis sind sehr gestörte, kranke Tiere, die kaum Muskeln aufweisen.

Zwei glückliche Einwanderer

Zum Glück blieb den zwei nun geretteten Hunden dieses Schicksal erspart. Beide stammen aus dem Grenzgebiet und lebten in einer Außenanlage ohne Dach. Arabella ist eine ca. fünf Jahre alte, aufgeschlossene Labrador-Spitz-Mischung, die schon viele Jahre in einem engen Zwinger mit vielen anderen Hunden leben musste. Toni, ein fünfjähriger Pincher-Mix, kam bereits mit sieben Monaten ins Tierheim und hatte in seinem inzwischen „hohen“ Alter kaum mehr eine Chance in Polen vermittelt zu werden. Generell ist eine Vermittlung im Vergleich zu Deutschland eher die Seltenheit, sodass auch polnische Tierheime versuchen, für ihre Tiere in Deutschland ein Zuhause zu finden.

Auch Toni und Arabella würden sich sehr über ein schönes Zuhause freuen. Beide sind absolute Familienhunde mit sehr freundlichem Wesen. Bei Interesse genügt eine Email an info@tierschutzligadorf.de oder ein Anruf unter 03560840124.

Man sieht: Auch mit einer kleinen Spende für leckeres Essen kann man Leben retten.

*Update: Schon nach wenigen Wochen hatte Arabella Glück: Sie lebt nun in einer liebevollen Familie und genießt ein viel schöneres Leben.

polnische Tierheimepolnische Tierheime

 

Mehr zum Thema:

http://www.tierschutzligadorf.de/tsdplimp.php

http://www.tierschutzligadorf.de/projekt_hnpl.php?ret=prueb&lang=de

http://www.vier-pfoten.de/themen/heimtiere/aktuell/die-hundemafia/

http://www.vier-pfoten.de/themen/heimtiere/aktuell/illegaler-welpenhandel/

 

 

 

 

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