Zoonosen – ein Infoartikel

Kein Thema beschäftigt die Menschheit aktuell mehr als die COVID-19-Pandemie. Im Zusammenhang mit diesem Thema fällt oft der Begriff Zoonose. Dabei stellt sich die Frage: Was sind eigentlich Zoonosen? Wir wollen eine kurze Zusammenfassung zu diesem Thema geben und den Zusammenhang mit der Massentierhaltung erläutern.

Was sind Zoonosen?

Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die bei Tieren und Menschen vorkommen und wechselseitig übertragbar sind. Verursacher sind dabei Bakterien, Parasiten, Pilze, Prionen oder Viren [1, 2]. Nach dem Bundesinstitut für Risikobewertung stammen nahezu zwei Drittel der Erreger, die bei Menschen zu Krankheiten führen, direkt von Tieren [2]. Schlussendlich haben 70% bis 75% aller beim Menschen neu auftretenden Infektionskrankheiten ihren Ursprung in Tieren [1, 2, 3]. Die Zahl variiert zwischen den Instituten.

Die Übertragung von Zoonosen kann durch direkten Kontakt, wie zum Beispiel beim Konsum von tierischen Lebensmitteln, erfolgen. Auch Vektoren haben zunehmend eine größer werdende Rolle. Darunter werden Krankheitsüberträger wie Zecken oder Mücken verstanden, die Krankheitserreger vom Wirt auf einen anderen Organismus übertragen [1].

Bekannte ältere Zoonosen sind beispielsweise Tollwut oder Tuberkulose [1]. Schweinegrippe, Vogelgrippe, Ebola oder das Schwere Akute Respiratorische Syndrom (SARS) zählen zu den Zoonosen der letzten Jahrzehnte [1, 2, 4].

Zusammenhang zwischen tierischen Lebensmitteln und Zoonosen

Wir müssen verstehen, dass die Pandemie menschengemacht ist. Die Voraussetzungen schaffen wir Menschen selbst, indem wir Viren aus bisher isolierten Lebensräumen heraus und mit neuen Wirten in Kontakt bringen. Der Mensch führt die Übertragungsereignisse durch eine unnatürliche Nähe zum Tier selbst herbei. Die Massentierhaltung als Schnittstelle zum Menschen ist dabei eine der größten Brutstätten für gefährliche Viren. Sie erhöht die Gefahr weiterer Pandemien aus folgenden Gründen:

  • In der industriellen Massentierhaltung leben viele Tiere in einer unnatürlichen Umgebung auf minimalem Raum. Dies ist ein begünstigender Faktor für eine rasante Ausbreitung von Krankheiten auf die ganze Herde [5].
  • Auch für die Entwicklung von Viren ist es günstig, wenn viele immungeschwächte Wirtstiere auf engem Raum zusammengepfercht sind, weil die Viren unter diesen Bedingungen schneller mutieren und dadurch ihre Evolution im Zeitraffer durchlaufen können.
  • Durch die Klimaerwärmung, für welche die Massentierhaltung eine Ursache ist, breiten sich zunehmend nicht-einheimische Vektoren aus. Somit können Erreger auf nicht immune Teile der Weltbevölkerung übertragen werden und Krankheitswellen auslösen [1].
Schweine in der Massentierhaltung

In der modernen Massentierhaltung leben Tiere in einer großen Anzahl auf minimaler Fläche zusammen.

Bleiben Zoonosen in der Massentierhaltung unentdeckt, kann durch direkten Kontakt mit Tierflüssigkeiten eine Infektion auftreten [6]. Ebenso können Zoonosen durch indirekten Kontakt übertragen werden, wie beispielsweise durch Pflanzen oder Erde [7]. Die bedeutendste Infektionsquelle liegt jedoch im Verzehr von kontaminierten Produkten. Darunter fallen unpasteurisierte Milch oder zu wenig erhitztes Fleisch und Eier. Außerdem können auch Gemüse und Früchte Zoonosen übertragen, wenn diese mit Tierkot in Kontakt waren [7, 8]. Ein Beispiel für ernährungsbedingte Zoonosen ist die steigende Zahl an Hepatitis E-Infektionen in Deutschland. Die Ursache dafür liegt im Verzehr von Produkten aus infizierten Schweinen und Wildschweinen, welche nicht genügend erhitzt wurden [8].

Tiere, die in der Massentierhaltung leben, werden über ihr normales Futter regelmäßig mit Antibiotika versorgt. Laut WHO gibt die steigende Anzahl an multiresistenten Organismen, welche aufgrund des Einsatzes von Arzneimitteln, insbesondere Antibiotika, in der Massentierhaltung entstehen, einen großen Grund zur Sorge [9]. Der Antibiotikamissbrauch in der Nutztierhaltung ist eine wesentliche Ursache dafür, dass Infektionskrankheiten beim Menschen schwerer in den Griff zu bekommen sind. Die Resistenzentwicklung schreitet fort [10], sodass die vorhandenen Medikamente bei Mensch und Tier zunehmend ihre Wirksamkeit verlieren, bis hin zum völligen Therapieversagen.

“Das wenige, das du tun kannst, ist viel” (Albert Schweitzer)

Eine Zeitleiste bekannter Krankheitsausbrüche der letzten Jahrzehnte, welche durch Zoonosen ausgelöst wurden.

Bekannte Krankheitsausbrüche der letzten Jahrzehnte, welche durch Zoonosen ausgelöst wurden.

Die Corona-Krise könnte nur ein erster Vorgeschmack für das sein, was in der Zukunft durch zunehmende Tierhaltung immer öfter passieren kann. Wenn wir verhindern wollen, dass in immer kürzeren Abständen neue Pandemien durch Zoonosen entstehen, müssen wir grundsätzlich unser Verhältnis zum Tier überdenken. Es wird Zeit, dass wir uns der Tatsache stellen, dass die Nachfrage nach tierischen Produkten Zoonosen befördert.
Wir können alle einen Beitrag dazu leisten, das Risiko einer Zoonose zu verringern. Wir als Verbraucherinnen und Verbraucher entscheiden mittels unseres Konsumverhaltens bei Fleisch, Milch, Eiern, Pelz, Leder, Daunen, Wolle, etc. wie hoch die Nachfrage nach tierischen Produkten ist. Die Integration einer pflanzenbasierten Ernährung in unseren Alltag lässt die Nachfrage nach Produkten aus der Massentierhaltung sinken. Eine pflanzliche Ernährung hat somit das Potential, das Risiko zukünftiger Pandemien zu verringern [11].

Mahnwache in Dresden

Um Menschen über dieses Thema aufzuklären, veranstalten wir am 16.05.2020 eine stille Mahnwache auf der Prager Straße in Dresden. Sollten Sie sich aufgrund der aktuellen Situation entschlossen haben Ihren Konsum von tierischen Lebensmitteln reduzieren zu wollen, können wir Sie dabei in sämtlichen Fragen gerne unterstützen. Interessiert? Dann nehmen Sie gerne Kontakt zu uns über 1-2-vegan.de auf. Wir freuen uns!

Aktionismus ist eine großartige Möglichkeit, um negative Emotionen in wirkungsvolles Handeln umzuwandeln! Noch dazu stellt sich durch Aktionen mit Gleichgesinnten ein wunderbares Gruppengefühl ein. Falls auch du Lust hast, aktiv zu werden, dann melde dich ganz unverbindlich unter: kontakt@anima-ev.de oder ag-dresden@albert-schweitzer-stiftung.de . Wir freuen uns auf dich!

 

Quellen:

[1] Ilia Semmler, Friederike Jansen, Nils Kley, Christian Drosten, Robin Köck, Lothar Kreienbrock, Thomas C. Mettenleiter, Lothar H. Wieler, Sebastian C. Semler, Martin H. Groschup, Stephan Ludwig: Die Gesundheit von Menschen und Tieren ist untrennbar verknüpft, online: https://www.deutsches-tieraerzteblatt.de/fileadmin/resources/Bilder/DTBL_01_2018/PDFs/DTBL_01-2018_Zoonosen.pdf (Abgerufen am 14.05.2020)

[2] Bundesinstitut für Risikobewertung: Zoonosen: Gesundheitliche Bewertung, online: https://www.bfr.bund.de/de/zoonosen.html (Abgerufen am 14.05.2020)

[3] OIE – World Organisation for Animal Health: OneHealth, online: https://www.oie.int/en/for-the-media/onehealth/ (Abgerufen am 10.05.2020)

[4] Bundesministerium für Bildung und Forschung: Gefährliche Eindringlinge – Droht nach der Schweine- und Vogelgrippe in Zukunft eine Fledermausgrippe?, online: https://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/gefahrliche-eindringlinge-droht-nach-der-schweine-und-vogelgrippe-in-zukunft-eine-3200.php (Abgerufen am 14.05.2020)

[5] Utopia: Zoonosen: Wie die Corona-Pandemie mit der Zerstörung der Tierwelt zusammenhängt, online: https://utopia.de/zoonosen-krankheit-tier-mensch-coronavirus-184155/ (Abgerufen am 14.05.2020)

[6] Centers for Disease Control and Prevention: Zoonotic Diseases, online: https://www.cdc.gov/onehealth/basics/zoonotic-diseases.html (Abgerufen am 14.05.2020)

[7] Bundesinstitut für Risikobewertung: Krankheitserregern in Fleisch, Eiern und Rohmilch auf der Spur, online: https://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2019/41/krankheitserregern_in_fleisch__eiern_und_rohmilch_auf_der_spur-242903.html (Abgerufen am 14.05.2020)

[8] World Health Organization: Antimicrobial resistance in the food chain,

online: https://www.who.int/foodsafety/areas_work/antimicrobial-resistance/en/ (Abgerufen am 14.05.2020)

[9] World Health Organization: Zoonoses, online: https://www.who.int/zoonoses/en/ (Abgerufen am 14.05.2020)

[10] Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Wertvolle Erkenntnisse zur Belastung von Lebensmitteln mit Zoonoseerregern, online: https://provieh.de/downloads_provieh/2012%2002%2016%20PI%20Zoonosen-Monitoring.pdf (Abgerufen am 14.05.2020)

[11] Proveg International: Pflanzliche Ernährung und Pandemien, online: https://proveg.com/de/blog/pflanzliche-ernaehrung-und-pandemien/ (Abgerufen am 14.05.2020)

 

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