Im veganen Alltag angekommen

10ter Tag

Mittags auf Arbeit und du bist die, die das Aufgewärmte von gestern isst, während der Rest beim Fleischer war… Ich muss dringend „Earthlings“ schauen, um meinen moralischen Kompass über meinen Appetit zu stellen!

Das “Vegan to go“-Programm gibt mir wieder neue Motivation und einen Grund schon wieder Leckereien einzukaufen.

VGDiesmal begleitet mich Kerstin in die VG – die Verbrauchergemeinschaft Dresden. Eine Genossenschaft, die insbesondere viel Regionales, aber auch eine große Auswahl veganer Produkte zu bieten hat. Ich ergattere endlich meinen geliebten Rapunzel-Schoko-Mandel-Aufstrich.

Kerstin legt den Fokus vor allem auf die ausgewogene Ernährung und mir wird klar, wie wichtig es ist, sich mit den Vitaminen, die der Körper braucht, auseinander zu setzen. So ergattere ich meine erste Zahnpasta mit Vitamin B12 und erfahre auch warum wir heutzutage nicht mehr genügend davon haben. Interessanter Fakt: Auch Fleischesser können einen Mangel an B12 haben. Tipp des Tages: Täglich eine Hand voll Nüsse (auch wenn sie leider nicht beim Vitamin B12 helfen können…).

Ich habe außerdem gelernt, dass man sich auch vegan aus Dosen ernähren kann und dass die eingepackten Spacebar-Würstchen von Wheaty für unterwegs Bifi ernsthafte Konkurrenz machen. Festival-Tauglichkeit: CHECK!

Notiz an mich: Soja- bzw. Weizenprodukte von Wheaty und Taifun sind wie die „Nutella unter den Schokoaufstrichen“ – einfach die Leckersten.

11ter Tag

Heute hat mir PETA`s Mail den Tag versüßt: Obwohl das Rezept schon wieder nicht meins war, gibt es einen Videolink zu all den Vorteilen, die die vegane Ernährung für Mensch, Umwelt und Tierwelt bringt. Es hat zwar schon einen leicht sektenartigen Touch, da es nur positive Fakten aufzählt, sieht man es aber als genau das was es ist – Werbung – find ich es sehr gut. Allein der Vergleich mit der Dusche…

Meine geliebten Nudeln mit Tomatensoße werden heute mit veganen Wurststückchen veredelt und es ist echt lecker.

Da es schon so gut läuft, kann es ja auch mal so weiter gehen. Mein veganer Erfahrungsbericht geht heute online und davon abgesehen, dass es super ist, durch eigene Erfahrungen andere positiv zu beeinflussen, ist das tolle Feedback wirklich schön. Die erste Aufforderung vegan für nichtvegane Freunde zu kochen ist schon eingetrudelt.

12ter Tag

Heute kann ich es nicht lassen und muss unbedingt nochmal zu Curry & Co. Die Currywurst inklusive Pommes hauen mich immer noch um. Die vegane Mayo teste ich bei der Gelegenheit auch. Mayo würde ich das aber nicht nennen. Ich versteh es nicht: Anstatt auf Zwang etwas nachzuahmen, kann man doch einfach etwas Neues einführen. Ich finde den Dipp gut, man wird aber enttäuscht, weil man dann etwas Mayo-Artigeres erwartet.

Mit Zitaten Albert Schweitzers wurde eine Brücke zwischen Tierrechten und Kirche gespannt.

Anlässlich des Welt-Ernährungstag am 16. Oktober wird abends ein Friedensgebet in der Frauenkirche zur Tierschutzproblematik abgehalten. Wir sind als AG der Albert-Schweitzer-Stiftung vor Ort und dafür, dass ich Null christlich bin und Kirchen von Innen nur tourismusbedingt kenne, finde ich es wirklich gelungen: Tierschutz mal von einer ganz anderen Perspektive betrachtet. Und dass auch Predigten das Leid der Tiere greifbar machen können, zeigt dieser Textausschnitt, den ich vortragen darf:

„Ich wollt, ich wär kein Huhn…“, denn dann müsste ich im Drahtkäfig vegetieren, ein paar Dutzend Quadratzentimeter Platz. Als Küken bekomme ich den Schnabel abgesengt, ich bin eine Maschine, die Eier legt. Millionen mit dem falschen Geschlecht werden einfach vergast. Oft stehen wir auf den toten Körpern unseren Artgenossen… Mensch, erbarme dich.

Danach geht es noch in kleiner Runde ins Café AHA. Probiert die Linsensuppe – unbedingt!

13ter Tag

Läuft! :)

14ter Tag

Wochenende und endlich Zeit für das Umundu-Festival. Ich besuche im neuen Gymnasium Bürgerwiese den Vortrag zum Fleischatlas. Für alle, die nicht wissen was das ist: Es handelt sich um eine Statistik zum Fleischkonsum und zeigt allgemein Fakten rings um die Produktion von Fleisch, dessen Export und dem benötigten Tierfutter auf.

160% – das ist das Ausmaß an Überproduktion der deutschen Fleischindustrie. Um so viele Tiere zu mästen, wird in Brasilien, Argentinien und Paraguay Soja angebaut – was für den brasilianischen Regenwald zum Verhängnis wird. Die Sojapflanzen werden hierzulande importiert und das Fleisch wieder exportiert. Allein die Klimaschädigung durch den Transport ist eine Sauerei. Bedenkt man aber mal wie viel Gülle wir produzieren, die unser Grundwasser verunreinigt, nur um Fleisch zu produzieren, das wir nicht mal brauchen, und damit durch unsere „günstige“ Fleischproduktion, die Märkte der Entwicklungsländer ruinieren… Wenn wir weiter so im Überfluss Fleisch konsumieren und die Bevölkerung weiter ansteigt, müssen wir bald auf dem Mond unser genmanipuliertes Soja für unsere Masttiere anpflanzen. Ich wollte und will niemanden vorschreiben, was er essen soll, aber tut es denn so weh einfach etwas weniger Fleisch zu essen?

Passend dazu gibt es bei der Veranstaltung extra ein veganes Essensangebot. Sehr cool.

Abends verschlägt es mich dann noch mit Freunden in die Neustadt und trotz ein paar Gläschen Wein verfalle ich nicht dem Fleisch.

Übrigens: Halbzeit! Im Moment muss ich sagen, dass es vielleicht gar keine wirkliche ist, da ich mir mittlerweile gut vorstellen kann, das Ganze länger zu machen.

15ter Tag

Annes SushiSonntag und Zeit für die Dinge, die man sonst viel zu hastig erledigt. Ich will mich nach Anregung einer Freundin am veganen Sushi versuchen. Ich nutze neben dem üblichen Gemüse wie Gurke, Avocado, Paprika und Möhre außerdem noch Räuchertofu. Mit dem Ergebnis bin ich an sich sehr zufrieden, da ja vor allem die Algenblätter den entscheidenden Geschmack geben. Zwar wäre Lachs wirklich toll dazu, aber wenn ich an die 4 Kilo wildlebenden Fisch denke, der als Beifang ungenutzt sein Leben lässt, um nur ein einziges Kilo Lachs zu erhalten, ist mein „es wäre wirklich toll dazu“-Gedanke schon fast verpufft. Zum Nachtisch werden nochmal die Apfel-Zimt-Muffins gemacht.

16ter Tag

Sushi-Reste vom Vortag für die Arbeit – was gibt es Besseres? Am Nachmittag geht’s noch zu einem Umundu-Vortrag zum Thema „Wildkräuter“ ins Grüne. Wenn man schon Mal seine Ökobilanz für das Essen vor Augen geführt bekommt, ist nicht nur was man isst entscheidend, sondern auch wo es herkommt. Die beiden Zauberwörter heißen in diesem Rahmen regional und saisonal.

Passend dazu habe ich mir das vegane Kochbuch von Lisa Pfleger besorgt, die als Selbstversorgerin auf Wildkräuter angewiesen ist. Umso spannender ist es dann zu erfahren, was man so alles Essbares ungebraucht auf den Wiesen oder an den Büschen lässt. Spitzwegerich werde ich im Frühling mal versuchen aufzutreiben und selber eine Meerrettich-Paste zu machen steht jetzt auch auf meiner To Do-Liste. Neben dem Vortrag gibt es nämlich auch Selbstgemachtes zu verkosten. (Wen das weiter interessiert: der Gesundheitsstammtisch hat das Ganze organisiert).

Und um meine Gesundheitsbilanz wieder in den Negativ-Bereich zu befördern, ging es zum Devils Kitchen mit Lisa vom Verein und es gab einen Tofu-Tower-Burger mit Pommes, wobei Tower nicht untertrieben ist.

Devil's Kitchen

17ter Tag

Ertappt bei der ersten veganen Routine: die vegane Reispfanne von Fatima ist Pflicht in der Woche.

 

Wie der Rest des veganen Monats für Anne lief, lässt sich hier nachlesen: Die Ups and Downs einer Veganerin

Veröffentlicht in Vegan to go.

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