Die Ups and Downs einer Veganerin

18ter Tag

20141103_221024_SnapseedDa ich unvorbereitet auf Arbeit komme, gibt es nur eine bisher von mir noch nicht getestete, fertige Bolognese mit Nudeln. Überhaupt kein Vergleich mit der Bolognese von Aldi aus der Kühltheke. Ich hasse es Dinge zu essen, die nicht schmecken und die man sich dann gezwungenermaßen einverleibt. Essen sollte doch ein Genuss sein.

Abends geht’s dann hungrig in das Neustädter Curry & Co. Ich gehöre wohl langsam zu den ungesunden Veganern, die nicht wie alle abnehmen werden. :)

19ter Tag

Heute steht ein Arbeitsevent an und ich bin mit Kollegen den ganzen Nachmittag unterwegs in der Innenstadt. Und da ist er – der blöde Fleischheißhunger. Es ist ziemlich frisch draußen und dann von jeder Ecke der tolle Grillbratwurstgeruch…

Das Schlimmste: Es geht gleich im Anschluss zu der Abendveranstaltung inklusive Buffet. Keine Chance zwischendurch etwas Veganes aufzutreiben. Das Buffet ist natürlich nicht vegan. Dennoch gibt es eine reichliche Obstplatte, zur Suppe frisches unbelegtes Brot und auf den Brötchen allerlei Gemüse-Deko wie Spargel. Ich hätte echt nicht mehr damit gerechnet, aber ich werde satt und es ist echt lecker. Versuchung niedergekämpft!

20ter Tag

Ich hab darüber nachgedacht endlich mal „Earthlings“ zu schauen, aber aus Angst vor den Bildern den Gedanken wieder verworfen. Ich will heute gut schlafen.

21ter Tag

20141025_211128bIch bekomme Besuch und plane ein veganes Abendessen. Es soll Quiche geben und ich stehe etwas ratlos im REWE auf der Suche nach „Hefeflocken“. Dank Vegan to Go ist die Frage jedoch schnell geklärt. Mein Telefonjoker Kerstin sagt mir, dass es das wohl eher im Bioladen gibt, aber nicht unbedingt nötig ist, da es der Soße zwar einen käsigeren Geschmack verleiht, selbige aber auch so ok sein müsste. Ist es dann auch! Die Quiche ist der Hammer.

Aber nochmal etwas zurückgespult: Es geht mit meinem Besuch in die Neustadt und ich habe es endlich geschafft auch mal Kuchen im V-Cake zu testen. Schoko-Bananen-Kuchen – göttlich! (Bald gehen mir die Adjektive für gutes Essen aus, zum Glück schreibe ich ja nur 30 Tage…)

22ter Tag

Resteverwertung: Die Quiche ist noch immer genießbar.

23ter Tag

Heute lade ich einen Freund zum Geburtstag zum veganen Dinner ein. Ich bereite schon mittags eine Gemüsesuppe als Vorspeise vor. Geplant ist Frikassee mit „Hähnchenfleisch“ von Kokku und süß-gefüllte Blätterteigtaschen. Bei dem Dresdner Online-Handel Kokku kann man verschiedene vegane Sachen bestellen und liefern lassen oder selbst abholen. Da ich mit Freunden zusammenbestellt habe, die auch noch ein Auto besitzen, wird es mir luxuriöser Weise gleich bis zur Tür gebracht. Um die Essens-Bewertung kurz zu machen: Lecker, lecker, lecker! Mein Gast ist auch begeistert.

24ter Tag

Heute Abend steht das Testen des neuen, veganen Imbiss in der Neustadt an – des Dicken Schmidts. Mit Freunden vom Verein werden gleich alle drei Dönervarianten getestet und obwohl es sehr ulkig aussieht, ein Seitanklumpen in Dönerspießform um seine eigene Achsen drehen zu sehen, ist es echt gelungen. Einziges Manko: nichts Süßes! Also ab in den Falschen Hasen ein paar Meter weiter Waffeln verdrücken.

Collage Restaurants Anne

 

25ter Tag

Zur Zeit werde ich von Freunden und Bekannten gefragt, wie es denn so läuft mit der veganen Ernährung, und enttäuschender Weise gibt es darauf nur die banale Antwort: Ich esse halt. Denn mehr ist es nicht. Hat man sich einmal daran gewöhnt nur bestimmte Sachen zu kaufen und zu konsumieren, ist es ja nichts weiter als die tägliche Essensaufnahme. Würde ich euch Omnivoren fragen, wie es denn so ist zu essen, würde euch bestimmt auch nichts Besseres einfallen. Dennoch freue ich mich sehr, dass alle interessiert sind und ich durch mein vegan Sein andere zum veganen Essen kriege – auch wenn es nur für eine Mahlzeit ist.

26ter Tag

Ein neues Veganstart-Programm erweckt meine Aufmerksamkeit beim Blick in mein Mailpostfach. Die Albert Schweitzer Stiftung ruft die Vegan Taste Week ins Leben. Ich melde mich gleich kostenlos an und erfahre, dass das Programm in wenigen Tagen anläuft und was mich erwartet. Es gibt neben Rezepten, Hintergrundinfos zu Produkten, Gründen vegan zu sein und einem sehr ansehnlichen Webseitenlayout, Videotutorials zum Nachkochen mit berühmten Vegan-Köchen wie Björn Moschinski.

Notiz: Nie wieder vegane Cordon-Bleus – eklig!

27ter Tag

20141031_112705bHeut geht’s nach Leipzig zu meiner besten Freundin. Es wird Geburtstag gefeiert und zum Brunch eingeladen. Mir als Neuveganer im Freundeskreis wurde angekündigt, dass es auch für mich etwas beim Brunch geben würde – dass ich jedoch mit soviel Auswahl konfrontiert wurde, hat mich überwältigt und sehr sehr gefreut. Es gab zwei Aufstriche („Tomatenbutter“ und ein Karotten-Nuss-Aufstrich), veganen Kartoffelsalat, Pfannkuchen ohne Eier aber mit Sojamilch angerührt, außerdem einen Smoothie und eine Spinatquiche. Da ist mir nicht Mal aufgefallen, dass auch Käse, Fisch und Speckwürfel dabei waren. Ein Lob an die Köchin!

Abends wird wegen des Feiertags noch kurz im Späti halt gemacht und Leipzig macht seinem Platz 1 als veganerfreundlichste Stadt alle Ehre: Sogar im Späti, wo ich es persönlich überhaupt nicht erwarten würde, gibt es vegane Snacks wie Spacebars oder Mamba.

28ter Tag

Frühstück im Zug und ich habe überraschenderweise an meinen veganen Aufstrich für unterwegs gedacht (im Gegensatz zu meiner Zahnbürste, die ich extra neu kaufen musste) und mir nur noch Brötchen beim Becker besorgt. Dass ich nach einer Feier schon vormittags im Zug sitze, verdanke ich dem Datum, denn heute ist Weltvegantag.

Im Zug checke ich meine Mails und stelle fest, dass mein erster Tag der Vegan Taste Week begonnen hat. Da ich gerade sehr up to date bin, was Hintergrundinfos und Alternativprodukte angeht, ist es für mich weniger interessant, dennoch find ich die Art und Weise sehr ansprechend. Man wird nämlich aufgefordert heute etwas aus Gemüsezutaten zuzubereiten. Da ich den ganzen Tag unterwegs bin, wird sich das leider nicht so umsetzen lassen, dennoch esse ich ja vegan – also kein schlechtes Gewissen.

Zurück zum Weltvegantag: Die Mitglieder des Anima e. V. sind zusätzlich noch Mitglieder der Albert Schweitzer Aktionsgruppe Dresden. Deswegen machen wir uns mit „Selbst-Wenn-Broschüren“ auf in die Neustadt und zwei von uns (ich inbegriffen) verteilen selbst gemachte vegane Snacks, um den Leuten zu zeigen, das kann man essen und das schmeckt auch noch! (Wie uns übrigens alle Tester bestätigt haben – selbst diejenigen, die gerade ihr Steak vom Grill im Alaunpark nahmen.)

Hier nochmal ein großes Dankeschön an die liebe Sarah vom V-Cake! Dort durften wir nämlich unsere kleine Zentrale aufmachen und Flyer wie Essen kurzzeitig lagern.

29ter Tag

Das nennt sich dann wohl langsam Endspurt! Da ich am 5. des letzten Monats begonnen habe, bleiben mir noch drei Tage. Eine Entscheidung fällen konnte ich noch nicht, wie es danach weitergehen soll, denn die Aussage „Bin gerade für einen Monat vegan“ nehmen die Leute eher kommentarlos ab als die Aussage „Das esse ich nicht mehr“. Mein unbändiger Heißhunger auf eine fettige Käse-Pizza macht es mir nicht gerade leichter.

Da im Kühlschrank gähnende Leere herrscht, wird kurzerhand die Linsensuppen-Konserve geöffnet, die meinen Geschmack trifft. Weil ich dennoch gerne etwas Ungesund(er)es hätte, mache ich mir einfach selbst Pfannkuchen. Mehl, Sojamilch und etwas Backpulver hat man ja da.

30ter Tag

Earthlings . . . sprachlos. Bedrückt, unglücklich, hilflos, wütend.

31Tag

Der letzte Tag meines Projektes ist angebrochen und ich muss sagen, ich bin etwas bedrückt, da es Zeit wird sich zu entscheiden. Die Frage, ob vegan oder nicht stellte sich die letzten 31 Tage ja nicht.

Heut ist Vereinstreffen und es tut gut, sich mit anderen über Earthlings zu unterhalten. Ich stelle fest, dass ich die Einzige bin, die es komplett und dazu noch an einem Stück gesehen hat. Man, muss ich schon abgestumpft sein… Ich muss wirklich sagen, dass ich die meisten Szenen so oder so ähnlich schon in anderen Ausschnitten gesehen hatte. Was einem jedoch die Sprache verschlägt, ist die Masse. Dass es uns Menschen nicht reicht Tiere zu essen – wir müssen sie erbärmlich halten, grausam schlachten und dennoch reicht es uns nicht. Wir brauchen sie, um uns mit ihrer Haut oder ihrem Pelz zu schmücken oder zu Unterhaltungszwecken, indem wir sie durch eine Arena hetzen und Messer in ihre Rücken stechen. Und wenn wir einige wenige von ihnen lieben, werden sie in dunklen Zimmern oder in engen Käfigen gehalten und nach viel zu kurzer Zeit mit ihrer Mutter aus Kofferräumen verkauft.

Zum Abschluss meines Projektes teste ich noch heiße Maronen.

 

Zu Annes Fazit geht es hier:  Und jetzt? Das Fazit eines veganen Experiments

Veröffentlicht in Vegan to go.

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